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Warum PRINCE2®? Weil Projekte keine Methode brauchen, sondern Orientierung

28. Sept.
2 Min. Lesezeit

„Braucht man PRINCE2® wirklich?“


Diese Frage begegnet mir in Schulungen und Gesprächen immer wieder. Meine Antwort darauf ist selten ein einfaches Ja oder Nein.


Denn ein Projekt wird nicht erfolgreich, nur weil irgendwo „PRINCE2®“ draufsteht. Eine Zertifizierung macht noch keinen guten Projektmanager. Und kein noch so gutes Framework ersetzt Erfahrung, Kommunikation und gesunden Menschenverstand.


Warum beschäftige ich mich also seit vielen Jahren mit PRINCE2® und bilde Menschen darin aus?


Weil PRINCE2® etwas bietet, das in Projekten erstaunlich häufig fehlt: Orientierung.


Wer entscheidet hier eigentlich was?


Viele Schwierigkeiten in Projekten beginnen nicht mit komplizierten Methodenfragen. Sie beginnen mit erstaunlich einfachen Dingen:


Wer trägt eigentlich die Verantwortung?

Wer darf welche Entscheidung treffen?

Was genau wollen wir erreichen?

Lohnt sich das Projekt überhaupt noch?

Wann müssen wir eskalieren – und an wen?


Wenn diese Fragen erst dann gestellt werden, wenn ein Projekt bereits unter Druck steht, wird es meistens unangenehm.


PRINCE2® zwingt uns, über solche Fragen frühzeitig nachzudenken. Und genau darin liegt für mich eine der großen Stärken der Methode.


PRINCE2® ist kein Projektmanagement-Kochbuch


Ein häufiges Missverständnis ist, PRINCE2® sei ein starres Regelwerk: Prozesse befolgen, Dokumente erstellen, Häkchen setzen – und schon funktioniert das Projekt.


So sollte PRINCE2® gerade nicht eingesetzt werden.


Ein kleines internes Projekt braucht keine Bürokratie wie ein millionenschweres Transformationsprogramm. Ein erfahrenes Team benötigt andere Leitplanken als eine neu zusammengestellte Projektorganisation.


Deshalb gehört die Anpassung an das konkrete Projekt zum Kern von PRINCE2®.


Die entscheidende Frage lautet also nicht:


„Was schreibt PRINCE2® vor?“


Sondern:


„Was davon hilft uns in diesem Projekt?“


Struktur schafft Freiraum


Das klingt zunächst widersprüchlich. Aber gute Strukturen machen Projekte nicht zwangsläufig schwerfälliger.


Im Gegenteil.


Wenn Rollen geklärt sind, Entscheidungen dort getroffen werden, wo sie hingehören, und allen Beteiligten klar ist, welche Informationen sie wirklich benötigen, entsteht Freiraum für die eigentliche Arbeit.


Projektmanagement sollte schließlich nicht darin bestehen, Projektmanagement zu verwalten.


Es sollte dabei helfen, Ergebnisse zu liefern.


Und was ist mit agil?


Auch hier begegnet mir immer wieder ein vermeintlicher Gegensatz: entweder PRINCE2® oder agil.


Die Praxis ist selten so schwarz-weiß.


PRINCE2® beschäftigt sich unter anderem mit Steuerung, Verantwortung, Entscheidungen und der Frage, ob ein Projekt weiterhin sinnvoll ist. Wie Teams ihre Produkte entwickeln und ihre tägliche Arbeit organisieren, ist eine andere Ebene.


Deshalb können agile Arbeitsweisen und PRINCE2® sehr gut zusammenspielen.

Entscheidend ist nicht, welches Etikett wir einem Projekt geben. Entscheidend ist, welche Arbeitsweise für dieses Projekt sinnvoll ist.


Eine Zertifizierung ist der Anfang, nicht das Ziel


Natürlich spielen Foundation- und Practitioner-Zertifizierungen eine wichtige Rolle. Sie schaffen eine gemeinsame Grundlage und dokumentieren Wissen über die Methode.


Für mich beginnt die interessante Arbeit aber dort, wo die Prüfungsfrage aufhört.


Wie setze ich das Gelernte am Montagmorgen in meinem eigenen Projekt ein?


Genau deshalb geht es in meinen PRINCE2®-Schulungen nicht nur darum, eine Prüfung zu bestehen. Ich möchte, dass Teilnehmende verstehen, warum die Methode bestimmte Dinge tut – und anschließend selbst entscheiden können, wie sie diese sinnvoll auf ihre Projekte übertragen.


Denn am Ende ist PRINCE2® ein Werkzeug.


Ein ziemlich gutes, wie ich finde.


Aber benutzen müssen es immer noch Menschen.

 
 
 

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